Zeitschrift für Personalforschung (ISSN 0179-6437). 15. Jg., Heft 4, 2001, S. 455-457
Konflikte gehören zur betrieblichen Realität. Sie beeinflussen das Arbeitsklima, prägen das Selbstbild der Beteiligten und wirken sich auf die Effektivität von Organisationen aus. Das Ausmaß der positiven oder negativen Konfliktfolgen hängt im Wesentlichen vom Umgang mit der konkreten Konfliktsituation ab. Durch den Einsatz von Konflikthandhabungsmechanismen wie z.B. Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation, Drittparteieninterventionen oder Durchführung spezieller Konflikttrainingsprogramme sollen die funktionalen Wirkungen von Konflikten verstärkt und die negativen Folgen begrenzt werden. Wie diese Forderung operationalisiert werden kann, wird jedoch selten explizit angesprochen, so dass i.d.R. unklar bleibt, welche Kriterien aus der Sicht der jeweiligen Autoren und insbesondere aus Sicht der betroffenen Konfliktparteien im Rahmen einer "guten Konfliktbewältigung" berücksichtigt werden müssten. Auch der Einfluss der konkreten Konfliktsituation auf die Wahl dieser Beurteilungskriterien wird in der Literatur nur ansatzweise thematisiert.
Ziel der Dissertation ist es, einen Beitrag zur Klärung der Frage, welche Kriterien von den betroffenen Konfliktparteien bei der Beurteilung der Konfliktregelungsgüte berücksichtigt werden und inwiefern die Wahl dieser Kriterien von der Konfliktsituation beeinflusst wird, zu leisten. Im Einzelnen ergeben sich daraus folgende Teilziele:
Erstellung einer Übersicht über die in der Literatur explizit oder implizit genannten Kriterien zur Beurteilung des Konfliktmanagements,
Identifikation von Situationsmerkmalen, von denen erwartet wird, dass sie die Bedeutung der einzelnen Beurteilungskriterien beeinflussen,
Empirische Überprüfung der Interdependenzen zwischen den Ausprägungen verschiedener Merkmale einer Konfliktsituation und der Relevanz einzelner Kriterien zur Beurteilung des Konfliktmanagements.
Den inhaltlichen Bezugsrahmens der Arbeit bildet ein von der Autorin in Anlehnung an die Konfliktepisode nach Pondy sowie an situative Ansätze entwickeltes Modell der subjektiven Beurteilung des Konfliktmanagements. Die durch verschiedene Kontextfaktoren charakterisierte Konfliktsituation löst einen Konfliktmanagementprozess aus, der mit der Erzielung eines Konfliktergebnisses endet. Die Parteien entscheiden dabei in Abhängigkeit von der konkreten Situation, wie wichtig ihnen die Berücksichtigung verschiedener Kriterien bei der Konfliktbewältigung ist, und versuchen teils bewusst, teils unbewusst den Konfliktmanagementprozess entsprechend zu gestalten. Nach Abschluss der Konfliktepisode werden sowohl das Verfahren als auch das Ergebnis hinsichtlich der Erfüllung der einzelnen Kriterien beurteilt. Die subjektive Bewertung des Konfliktmanagementerfolges ergibt sich aus der Gesamtbetrachtung aller relevanten Kriterien und ihrer jeweiligen Gewichtung.
Im Rahmen der Arbeit wurden 31 Hypothesen zu den erwarteten Interdependenzen zwischen den Ausprägungen verschiedener Merkmale einer Konfliktsituation und der Relevanz einzelner Kriterien zur Beurteilung des Konfliktmanagementerfolges formuliert und in einer empirischen Studie in Gestalt einer schriftlichen Befragung von Führungs-(nachwuchs-)kräften überprüft. Im Zeitraum von Oktober 1998 bis Dezember 1998 wurden über 25 Weiterbildungsinstitute insgesamt 515 Fragebögen an die Teilnehmer von Konfliktseminaren verteilt. Die Rücklaufquote betrug knapp 35% oder 179 Fragebögen.
Insgesamt konnten 16 der 31 aufgestellten Hypothesen bestätigt werden, weitere 5 Hypothesen wurden partiell bestätigt. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Beurteilung des Konfliktmanagementerfolges durch die betroffenen Parteien vom Grad der Erfüllung eines umfangreichen Kriteriensets abhängt. Eine isolierte Betrachtung von Einzelkriterien wie z.B. der Prozess- oder Ergebnisgerechtigkeit spiegelt die Konfliktregelungsgüte nur unzureichend wider und wird der Komplexität der Thematik nicht gerecht. Der Forderung nach der Berücksichtigung einer größeren Zahl von Indikatoren wird durch die Untersuchung Nachdruck verliehen. Im Einzelnen sind folgende Ergebnisse festzuhalten:
1. Bei administrativen Konflikten maßen die betroffenen Parteien ökonomischen Ergebniskriterien sowie der Praktikabilität des Ergebnisses eine höhere Bedeutung bei als bei persönlichen oder technischen Konflikten.
2. Je bedeutender ein Konflikt den Betroffenen erschien, desto wichtiger waren ihnen die Seriosität im Umgang mit dem Problem und der mit der Lösung verbundene Nutzen und desto weniger Wert legten sie auf eine schnelle und kostengünstige Konfliktbewältigung.
3. Beschäftigte höherer Hierarchieebenen maßen der Durchsetzung ihrer eigenen Interessen sowie ökonomischen Ergebniskriterien und der Qualität der Lösung eine größere Bedeutung bei als Beschäftigte niedrigerer Hierarchieebenen.
4. Es zeigte sich, dass Konfliktparteien in ihrer Eigenschaft als Vorgesetzte oder Mitarbeiter größeren Wert auf prozessbezogene Beziehungskriterien sowie auf die Möglichkeit der Konfliktthematisierung legen als in der Rolle des Kollegen.
5. Beschäftigte in den Bereichen Marketing und Personal maßen erwartungsgemäß der Thematisierung des Konflikts sowie ergebnisbezogenen Beziehungskriterien und der Seriosität des Konfliktmanagements eine signifikant höhere Bedeutung bei als Beschäftigte in anderen Funktionsbereichen.
6. Mit zunehmender Verhandlungsstärke maßen die Konfliktparteien der Durchsetzung ihrer eigenen Interessen eine steigende Bedeutung bei.
7. Konfliktparteien mit positiverem Gegnerbezug legten mehr Wert auf die Möglichkeit der Konfliktthematisierung als Parteien mit negativerem Gegnerbezug.
8. Personen, die spätere Kontakte nur sporadisch erwarteten, hielten die Beziehung zum Konfliktgegner für signifikant weniger wichtig als Parteien, die von einem wöchentlichen Kontakt ausgingen.
Für die zukünftige Forschung erscheint es lohnend, die Wirkung verschiedener Ausprägungen einzelner Situationsvariablen unter Konstanthaltung der anderen Situationsparameter zu untersuchen. Im Rahmen einer experimentellen Studie könnten die Untersuchungsteilnehmer beispielsweise mit Beschreibungen fiktiver Konfliktsituationen, die sich hinsichtlich des zu untersuchenden Kriteriums unterscheiden, konfrontiert und gebeten werden, sich in die jeweilige Situation hineinzuversetzen und die Bedeutung verschiedener Gütekriterien des Konfliktmanagements in der gegebenen Situation einzuschätzen. Einen weiteren Ansatzpunkt bietet die gleichzeitige Betrachtung der verschiedenen Situationsvariablen und ihres gemeinsamen Einflusses auf die Relevanz der Erfolgskriterien des Konfliktmanagements. Hier wäre beispielsweise die Stärke des Einflusses der verschiedenen Situationsmerkmale zu untersuchen. Für die Praxis von besonderer Bedeutung wäre die Erarbeitung einer Konfliktsituationstypologie und die anschließende Ermittlung der Relevanz der Gütekriterien des Konfliktmanagements in den jeweiligen Situationen. In diesem Zusammenhang ebenfalls lohnenswert erscheint die Entwicklung eines einfach zu handhabenden Instrumentariums zur Analyse von Konfliktsituationen und darauf abgestimmten Empfehlungen bezüglich der unter den jeweiligen Bedingungen erfolgversprechenden Konfliktbewältigungsmethoden.
vom 01.10.2001
Zeitschrift für Personalforschung (ISSN 0179-6437). 15. Jg., Heft 4, 2001, S. 455-457
Konflikte gehören zur betrieblichen Realität. Sie beeinflussen das Arbeitsklima, prägen das Selbstbild der Beteiligten und wirken sich auf die Effektivität von Organisationen aus. Das Ausmaß der positiven oder negativen Konfliktfolgen hängt im Wesentlichen vom Umgang mit der konkreten Konfliktsituation ab. Durch den Einsatz von Konflikthandhabungsmechanismen wie z.B. Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation, Drittparteieninterventionen oder Durchführung spezieller Konflikttrainingsprogramme sollen die funktionalen Wirkungen von Konflikten verstärkt und die negativen Folgen begrenzt werden. Wie diese Forderung operationalisiert werden kann, wird jedoch selten explizit angesprochen, so dass i.d.R. unklar bleibt, welche Kriterien aus der Sicht der jeweiligen Autoren und insbesondere aus Sicht der betroffenen Konfliktparteien im Rahmen einer "guten Konfliktbewältigung" berücksichtigt werden müssten. Auch der Einfluss der konkreten Konfliktsituation auf die Wahl dieser Beurteilungskriterien wird in der Literatur nur ansatzweise thematisiert.
Ziel der Dissertation ist es, einen Beitrag zur Klärung der Frage, welche Kriterien von den betroffenen Konfliktparteien bei der Beurteilung der Konfliktregelungsgüte berücksichtigt werden und inwiefern die Wahl dieser Kriterien von der Konfliktsituation beeinflusst wird, zu leisten. Im Einzelnen ergeben sich daraus folgende Teilziele:
Erstellung einer Übersicht über die in der Literatur explizit oder implizit genannten Kriterien zur Beurteilung des Konfliktmanagements,
Identifikation von Situationsmerkmalen, von denen erwartet wird, dass sie die Bedeutung der einzelnen Beurteilungskriterien beeinflussen,
Empirische Überprüfung der Interdependenzen zwischen den Ausprägungen verschiedener Merkmale einer Konfliktsituation und der Relevanz einzelner Kriterien zur Beurteilung des Konfliktmanagements.
Den inhaltlichen Bezugsrahmens der Arbeit bildet ein von der Autorin in Anlehnung an die Konfliktepisode nach Pondy sowie an situative Ansätze entwickeltes Modell der subjektiven Beurteilung des Konfliktmanagements. Die durch verschiedene Kontextfaktoren charakterisierte Konfliktsituation löst einen Konfliktmanagementprozess aus, der mit der Erzielung eines Konfliktergebnisses endet. Die Parteien entscheiden dabei in Abhängigkeit von der konkreten Situation, wie wichtig ihnen die Berücksichtigung verschiedener Kriterien bei der Konfliktbewältigung ist, und versuchen teils bewusst, teils unbewusst den Konfliktmanagementprozess entsprechend zu gestalten. Nach Abschluss der Konfliktepisode werden sowohl das Verfahren als auch das Ergebnis hinsichtlich der Erfüllung der einzelnen Kriterien beurteilt. Die subjektive Bewertung des Konfliktmanagementerfolges ergibt sich aus der Gesamtbetrachtung aller relevanten Kriterien und ihrer jeweiligen Gewichtung.
Im Rahmen der Arbeit wurden 31 Hypothesen zu den erwarteten Interdependenzen zwischen den Ausprägungen verschiedener Merkmale einer Konfliktsituation und der Relevanz einzelner Kriterien zur Beurteilung des Konfliktmanagementerfolges formuliert und in einer empirischen Studie in Gestalt einer schriftlichen Befragung von Führungs-(nachwuchs-)kräften überprüft. Im Zeitraum von Oktober 1998 bis Dezember 1998 wurden über 25 Weiterbildungsinstitute insgesamt 515 Fragebögen an die Teilnehmer von Konfliktseminaren verteilt. Die Rücklaufquote betrug knapp 35% oder 179 Fragebögen.
Insgesamt konnten 16 der 31 aufgestellten Hypothesen bestätigt werden, weitere 5 Hypothesen wurden partiell bestätigt. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die Beurteilung des Konfliktmanagementerfolges durch die betroffenen Parteien vom Grad der Erfüllung eines umfangreichen Kriteriensets abhängt. Eine isolierte Betrachtung von Einzelkriterien wie z.B. der Prozess- oder Ergebnisgerechtigkeit spiegelt die Konfliktregelungsgüte nur unzureichend wider und wird der Komplexität der Thematik nicht gerecht. Der Forderung nach der Berücksichtigung einer größeren Zahl von Indikatoren wird durch die Untersuchung Nachdruck verliehen. Im Einzelnen sind folgende Ergebnisse festzuhalten:
1. Bei administrativen Konflikten maßen die betroffenen Parteien ökonomischen Ergebniskriterien sowie der Praktikabilität des Ergebnisses eine höhere Bedeutung bei als bei persönlichen oder technischen Konflikten.
2. Je bedeutender ein Konflikt den Betroffenen erschien, desto wichtiger waren ihnen die Seriosität im Umgang mit dem Problem und der mit der Lösung verbundene Nutzen und desto weniger Wert legten sie auf eine schnelle und kostengünstige Konfliktbewältigung.
3. Beschäftigte höherer Hierarchieebenen maßen der Durchsetzung ihrer eigenen Interessen sowie ökonomischen Ergebniskriterien und der Qualität der Lösung eine größere Bedeutung bei als Beschäftigte niedrigerer Hierarchieebenen.
4. Es zeigte sich, dass Konfliktparteien in ihrer Eigenschaft als Vorgesetzte oder Mitarbeiter größeren Wert auf prozessbezogene Beziehungskriterien sowie auf die Möglichkeit der Konfliktthematisierung legen als in der Rolle des Kollegen.
5. Beschäftigte in den Bereichen Marketing und Personal maßen erwartungsgemäß der Thematisierung des Konflikts sowie ergebnisbezogenen Beziehungskriterien und der Seriosität des Konfliktmanagements eine signifikant höhere Bedeutung bei als Beschäftigte in anderen Funktionsbereichen.
6. Mit zunehmender Verhandlungsstärke maßen die Konfliktparteien der Durchsetzung ihrer eigenen Interessen eine steigende Bedeutung bei.
7. Konfliktparteien mit positiverem Gegnerbezug legten mehr Wert auf die Möglichkeit der Konfliktthematisierung als Parteien mit negativerem Gegnerbezug.
8. Personen, die spätere Kontakte nur sporadisch erwarteten, hielten die Beziehung zum Konfliktgegner für signifikant weniger wichtig als Parteien, die von einem wöchentlichen Kontakt ausgingen.
Für die zukünftige Forschung erscheint es lohnend, die Wirkung verschiedener Ausprägungen einzelner Situationsvariablen unter Konstanthaltung der anderen Situationsparameter zu untersuchen. Im Rahmen einer experimentellen Studie könnten die Untersuchungsteilnehmer beispielsweise mit Beschreibungen fiktiver Konfliktsituationen, die sich hinsichtlich des zu untersuchenden Kriteriums unterscheiden, konfrontiert und gebeten werden, sich in die jeweilige Situation hineinzuversetzen und die Bedeutung verschiedener Gütekriterien des Konfliktmanagements in der gegebenen Situation einzuschätzen. Einen weiteren Ansatzpunkt bietet die gleichzeitige Betrachtung der verschiedenen Situationsvariablen und ihres gemeinsamen Einflusses auf die Relevanz der Erfolgskriterien des Konfliktmanagements. Hier wäre beispielsweise die Stärke des Einflusses der verschiedenen Situationsmerkmale zu untersuchen. Für die Praxis von besonderer Bedeutung wäre die Erarbeitung einer Konfliktsituationstypologie und die anschließende Ermittlung der Relevanz der Gütekriterien des Konfliktmanagements in den jeweiligen Situationen. In diesem Zusammenhang ebenfalls lohnenswert erscheint die Entwicklung eines einfach zu handhabenden Instrumentariums zur Analyse von Konfliktsituationen und darauf abgestimmten Empfehlungen bezüglich der unter den jeweiligen Bedingungen erfolgversprechenden Konfliktbewältigungsmethoden.
vom 01.10.2001